»Wie ist es denn zu Hause?«

In der Immanuel Klinik Märkische Schweiz beginnt Nachsorge mit der Aufnahme. Ein Interview mit Pflegedienstleiterin Anja Schröder.

Entlassungsmanagement beginnt bei der Immanuel Klinik Märkische Schweiz mit der Aufnahme
Entlassungsmanagement beginnt bei der Immanuel Klinik Märkische Schweiz mit der Aufnahme

Anja Schröder arbeitet seit 22 Jahren in der Immanuel Klinik Märkische Schweiz in Buckow. Als Pflegedienstleiterin ist sie verantwortlich für den Pflegebereich der Rehabilitationsklinik, die sich auf die Behandlung onkologischer Patienten spezialisiert hat. Zu deren Versorgung gehört auch das individuelle Entlassungsmanagement – für die Zeit nach der Reha.

»Dem Leben zuliebe.« steht auf dem Eingangsschild Ihrer Klinik, der Leitsatz der Immanuel Diakonie. Ist die idyllische Lage der Reha-Klinik eine Voraussetzung für die Rückkehr Ihrer Patienten in ein gesundes Leben?

Die schöne Umgebung spielt gewiss eine große Rolle. Kranke Menschen sind überaus dankbar, wenn sie die sterile Umgebung eines Krankenhauses verlassen dürfen. Unsere Reha­Klinik mit ihrem Hotel-Charakter, dazu unser Park und natürlich die vielen Möglichkeiten zum Entspannen in der Natur: Das alles genießen unsere Patienten. Viele von ihnen kommen aus Großstädten und wie oft bekomme ich zu hören: »Hier kann ich endlich durchatmen, es ist so schön ruhig«. Selbst die Patienten, die mobil eingeschränkt sind, haben bei uns die Möglichkeit, den Park zu besuchen – mit wenigen Schritten, am Rollator oder im Rollstuhl. Unser kleiner Wald, dazu der See: Das ist Urlaubsfeeling!

Welche Eigenschaften sind wichtig für die Pflege Ihrer Reha-Patienten?

Auf jeden Fall Fachkompetenz und Empathie. Pflege im medizinischen Bereich setzt auch immer Hilfsbereitschaft voraus. In der Rehabilitation jedoch verstehen wir Hilfsbereitschaft anders: Uns geht es um Hilfe zur Selbsthilfe. Wir wollen den Patienten die Möglichkeit geben, wieder im Leben zurechtzukommen – im Alltag und vor allem im Umgang mit der Erkrankung.

Und was muss gute Pflege leisten können?

Sich Zeit nehmen für den Patienten. Zum Beispiel nur zuhören, das ist gerade in der Rehabilitation so wichtig. Ich will ein Beispiel nennen: Eine Patientin war gestern begeistert, weil sie das erste Mal während ihrer Chemotherapie mit einer Pflegefachkraft zu tun hatte, die sich für sie Zeit nahm und zuhörte. Das hatte sie noch nie erlebt! »Ich fühle mich richtig gut aufgehoben«, meinte sie zu mir.

Wie lange bleiben Ihre Patienten?

Sie bleiben durchschnittlich 21 Tage. Wenn es erforderlich ist, bekommen die Patienten die Möglichkeit einer Verlängerung. Viele Patienten kommen mit Folgeerkrankungen der Chemo- oder Strahlentherapie zu uns, um Defizite zu beheben oder besser damit umgehen zu können. Nehmen Sie zum Beispiel die Empfindungsstörungen, die durch die Chemotherapie eintreten: in den Händen, in den Füßen. Dafür bieten wir in der Ergotherapie viele Behandlungsmöglichkeiten – die Patienten üben, Knöpfe zu schließen, Reißverschlüsse zu öffnen, sie lernen zu greifen. Und wenn wir merken, der Patient macht Fortschritte, dann bieten wir dem Patienten eine Verlängerung an. Dies ist für den Patienten äußerst wichtig, damit er seinen Alltag wieder selbstbestimmt gestalten kann.

Gehört das schon zum Entlassungsmanagement?

Hier bei uns setzen wir das Entlassungsmanagement seit vielen Jahren um. Und ich kann behaupten: oft viel besser als die Akutkliniken. Entlassungsmanagement beginnt schon mit der Aufnahme oder beim Erstgespräch am Telefon, wenn der Patient anruft und sagt: »Ich habe aber noch eine Wunde. Wird die auch von Ihnen versorgt?«. Dann teile ich ihm mit: »Selbstverständlich, wir sind eine Klinik mit Fachpersonal!«. Im Allgemeinkrankenhaus bekommt der Patient nicht unbedingt die Information, was genau nach seiner Behandlung mit ihm geschieht. Kommt der Patient zu uns, dann führen wir die pflegerische Aufnahme durch. Anhand verschiedener Assessments werden medizinische Daten, soziale Aspekte und der Hilfsmittelbedarf erfasst. So können wir schon vor der Entlassung Hilfsmittel oder in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst weiterführende Leistungen oder Maßnahmen beantragen.

Und damit ist das Entlassungsmanagement abgeschlossen?

Das ist viel umfangreicher! Wir arbeiten mit allen Teams multiprofessionell zusammen – mit Ärzten, Psychologen, Ernährungsberatern, Physiotherapeuten. Im Verlauf der Behandlung des Patienten stellen wir Defizite fest, die wir mit dem Abfragekatalog noch nicht klären konnten. Dann passen wir das Entlassungsmanagement individuell an. Dazu bestimmen wir mit dem Patienten die Reha-Ziele: Hier stehen Sie jetzt, wo möchten Sie hin? Was ist das Wichtigste für Sie, wenn Sie wieder nach Hause kommen? Und wir klären den Hilfsbedarf. Manche Patienten benötigen nur wenig Unterstützung, aber viele sind hilflos. Wir bieten ihnen Hilfestellung und leiten sie an. Es gibt natürlich Patienten, die uns sagen: »Es kommt doch die Hauskrankenpflege, ich habe meine Ehefrau zu Hause – die macht das schon«. Unsere Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass jeder Patient in der Lage ist, sich im Notfall selbst zu versorgen. Dies bedeutet Lebensqualität.

Und wann endet für Sie das Entlassungsmanagement?

Für mich endet das Entlassungsmanagement, wenn ich weiß: Der Patient ist zu Hause gut angekommen und wird dort gut versorgt. Daher bleiben wir auch nach seiner Entlassung in Kontakt mit ihm, dem Hausarzt, der Hauskrankenpflege. Funktioniert die Betreuung auch zu Hause, dann kann ich sagen: Hier ist unsere Aufgabe beendet.

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Anja Schröder
Pflegedienstleiterin

KONTAKT

Immanuel Klinik Märkische Schweiz
Lindenstraße 68-70, 15377 Buckow
Tel. (033433) 55-0
buckow@immanuel.de
www.buckow.immanuel.de

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