Wenn weniger mehr ist

Am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow wird mit winzig kleinen Schnitten operiert

„Machen Sie doch bitte eine typische Bewegung!“ Dr. Claas Lange streckt beide Hände vor, bewegt dabei Daumen und Zeigefinger. Wie daddeln auf der Spielekonsole? Nein, der Arzt zeigt die Handhaltung bei der „Schlüsselloch-Chirurgie“ – der laporoskopischen Operation.

Statt des bislang üblichen großen Schnitts wird dabei die Bauchdecke des Patienten nur an kleineren Stellen geöffnet. In diese kleinen Hautschnitte werden mehrere Hülsen eingeführt, die sogenannten Trokare. Und über die werden das Laporoskop und die Operationsinstrumente bedient; lange Stäbe mit Griff – für Fasszange, Schere, Klammernahtgerät und Sauger. Ein Assistent führt die Kamera, Claas Lange schaut auf den HD-Bildschirm und operiert. Sein großer Vorteil: Er kennt auch den Klassiker – den großen chirurgischen Bauchschnitt. Lange üben musste der Chirurg nicht für die laporoskopische Operationstechnik. »Ich habe alles schon offen gesehen und weiß, wie sich das Gewebe anfühlt und auf Berührungen reagiert.« Bei seiner letzten OP hatte der Patient Beschwerden, die dreißig Jahre nach dessen – damals noch offen durchgeführter – Blinddarm-Operation entstanden sind. »Verwachsungen hatten sich gebildet und mussten gelöst werden.« Und das, so der Fachbereichsleiter Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde, sei einer der Vorteile der minimalinvasiven OP-Technik: »Denn diese kleinen Schnitte machen auch nach innen kleinere Narben und es kommt zu weniger Verwachsungen.« Die Anheftungsfläche an den Wunden ist deutlich geringer.

Weniger Schmerzen, schnellere Heilung

Was noch wichtiger ist: Der Patient hat nach der Operation weniger Schmerzen und die Heilung verläuft schneller. Und die kleinen Narben fallen weniger auf als der lange rote Strich quer über die Bauchdecke. Zudem lassen sich Narbenbrüche weitgehend vermeiden. Wieder ein Argument mehr für die Anwendung dieser schonenden Operationsmethode. Seit Februar 2017 ist Dr. Claas Lange am Krankenhaus in der Albert-Schweitzer-Straße, etwa dreihundert Patienten hat der gebürtige Flensburger seitdem laporoskopisch operiert. 28 Betten stehen auf seiner Station. Die Patienten, die hier liegen, haben unterschiedliche Beschwerden: an Darm, Schilddrüse, Galle, Magen, mit ihrem diabetischen Fuß oder einer Krebserkrankung. »Und da sind noch die vielen Hernien«, die Patienten mit einem Bruch in der Bauchwand. Am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde hat Claas Lange die »Schlüsselloch-Chirurgie« in der Bruchchirurgie eingeführt.

Zertifizierte Chirurgie

Auch aus dem Grund hat sich die Klinik ihre laporoskopische Chirurgie von der DHG zertifizieren lassen, der Deutschen Herniengesellschaft: »Wir bieten jetzt nachweislich geprüfte, qualitätsgesicherte Chirurgie an.« Diese DHG-Zertifizierung war eine der ersten Maßnahmen, die Claas Lange gleich mit Dienstantritt initiiert hatte. »Wir erfassen die Patientendaten aller Leisten- und Narbenbrüche in einem Zentralregister.« Die komplette Patientengeschichte wird so transparenter, zudem – so Claas Lange – lasse sich die Arbeitsqualität der Chirurgen besser überwachen und – auch das ist ihm wichtig: Der Vergleich mit anderen Kliniken wird möglich. »Hernienoperationen sind die häufigsten überhaupt«, erklärt der Ludwigsfelder Chirurg. Zwar gebe es Standardverfahren, aber eben auch große Unterschiede in der Behandlung. »Der Patient wird ohne Beschwerden entlassen – und dann kommt es später doch zu Komplikationen.« Nun jedoch sucht der Patient nicht den Arzt auf, der ihn ursprünglich behandelt hatte – er geht zu einem anderen. Im neuen Zentralregister kann der behandelnde Arzt alle wichtigen Informationen abrufen und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

Kontakt

Evangelisches Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow
Albert-Schweitzer-Straße 40-44, 14974 Ludwigsfelde
Tel. (03378) 828-2300
claas.lange@diakonissenhaus.de
www.ekh-ludwigsfelde.de

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