Endlich Ruhe durch den richtigen Rhythmus

Die Epilepsieklinik Tabor Bernau versorgt Betroffene auch über ein neues Netzwerk

Eine Aufzeichnung der Hirnströme hilft, Epilepsien früh zu erkennen
Eine Aufzeichnung der Hirnströme hilft, Epilepsien früh zu erkennen

Der Rhythmus. Er gestaltet und ordnet Musik – ist er fehlerhaft, so kommt man aus dem Takt. Professor Hans-Beatus Straub liebt die Musik, aber auch in seinem Beruf spielt Rhythmus eine wichtige Rolle: er ist Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Epilepsieklinik Tabor.

Für ein neues Leben

»Ein epileptischer Anfall erzeugt im Gehirn unnatürliche elektrische Schwingungen«, erklärt der Neurologe – dann breitet sich ein Störrhythmus im Kopf aus. Der Betroffene reagiert nicht mehr, sein Gedächtnis setzt aus, sein Körper bewegt sich eigenartig. Seit Jahrzehnten finden Menschen mit Epilepsien in der Epilepsieklinik Tabor Hilfe. »Wir kümmern uns um die, die es schwer haben mit dieser Erkrankung.« Oft sind es nicht nur die Anfälle selbst, die das Leben einschränken – die Betroffenen werden sozial isoliert, verlieren ihren Job oder werden berufsunfähig. Auf über vierzigtausend schätzt Straub die Anzahl der Epilepsieerkrankten allein in Berlin-Brandenburg. In den meisten Fällen ist durch moderne Therapien ein Leben ohne Anfälle möglich. Aber etwa ein Drittel der Betroffenen hat mit schwer behandelbaren Anfällen zu kämpfen. Sie kommen in die Epilepsieklinik Tabor: Endlich Anfallsfreiheit – das ist dann ein Behandlungsziel, das Straub und seine Kollegen mit ihren Patienten erreichen wollen. Oder zumindest ein Leben mit Anfällen wieder lebenswerter und vor allem selbstbewusster zu gestalten. »Wir begleiten die Menschen, wir helfen ihnen auch bei Problemen in der Familie, am Arbeitsplatz.« Gemeinsam den passenden Rhythmus für das Leben der Betroffenen finden, darum geht es ihm.

Hilfe, auch über Kooperationen

Epilepsien setzen meist in den beiden ersten Lebensjahrzehnten ein – oder viel später, im Alter, selten in der Lebensmitte. Einer von Straubs Patienten jedoch erlitt mit fünfzig Jahren erstmals Anfälle. Professor Straub kannte diese besondere Anfallsform: »sie ist häufig mit einer Hirnentzündung verbunden, die nur ein kleines Gebiet im Gehirn erfasst.« Straub fand die Ursache für diese Entzündung – eine bestimmte Fehlreaktion des Immunsystems, hinter der oft eine Krebserkrankung steckt. Und tatsächlich: In der Lunge entdeckte man einen kleinen Tumor. Trotz seiner geringen Größe hatte das Immunsystem überreagiert, auch das Gehirn angegriffen und Anfälle ausgelöst.
Der Patient wurde im Lungenkrebszentrum Treuenbrietzen operiert und die Tumorerkrankung durch die frühe Behandlung geheilt, die epileptischen Anfälle verschwanden. »Dieser Fall zeigt, wie wichtig und gut die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern in Brandenburg ist.«

Fachmedizinische Versorgung

Hans-Beatus Straub und die Epilepsieklinik Tabor engagieren sich daher auch in einem neuen, vom Innovationsfonds geförderten Projekt: ANNOTeM, das »Netzwerk zur Akutneurologischen Versorgung in Nordostdeutschland mit telemedizinsicher Unterstützung«. Hinter der sperrigen Wortsammlung verbirgt sich das Ziel einer besseren fachmedizinischen Versorgung. Fachkliniken wie die Bernauer Einrichtung vernetzen sich mit regionalen Krankenhäusern – werden dort Patienten in die Notaufnahme eingeliefert, die neurologische Auffälligkeiten zeigen, so können die Ambulanzen nun die Daten an die neurologischen Experten senden. Handelt es sich vielleicht um epileptische Anfälle, so bekommt die Epilepsieklinik Hirnstromableitungen zur Auswertung elektronisch übermittelt. Jetzt kann geklärt werden: Ist es tatsächlich eine Epilepsie? »Genau diese Frage muss schnell beantwortet werden«, und das könne ein Allgemeinkrankenhaus nicht. »So sind wir näher dran am Patienten.« Die Epilepsieklinik Tabor schließt über ANNOTeM eine Versorgungslücke im ländlichen Raum – wo die Fachärzte fehlen.

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Prof. Dr. Hans-Beatus Straub
Chefarzt und
Ärztlicher Direktor

Kontakt

Epilepsieklinik Tabor Bernau
Hoffnungstaler Stiftung Lobetal
Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg

Ladeburger Straße 15, 16321 Bernau b. Berlin
Tel. (03338) 752-0
h.straub@epi-tabor.de
www.epi-tabor.de

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