Ein Band fürs Herz

Mit dem „Kardioband“ gelang den Spezialisten vom Herzzentrum Brandenburg ein spektakuläres Operationsverfahren

Einsatz bei schlagendem Herzen: das Cardioband, millimetergenau platziert (© Cardioband™ Transcatheter Mitral Repair System, By courtesy of Edwards Lifesciences Corporation)
Einsatz bei schlagendem Herzen: das Cardioband, millimetergenau platziert (© Cardioband™ Transcatheter Mitral Repair System, By courtesy of Edwards Lifesciences Corporation)

Für Christian Butter ist das Herz mehr als ein zentrales Organ: Mit „Herz“, so der Kardiologe, verbindet man auch Emotionen. Aber viele Menschen seien beunruhigt von Ihrem Herzen, „mehr als von anderen Organen“ – immer dann, wenn die Leistung unseres wichtigsten Muskels nachlässt.

Herzreparaturen in Bernau

Und das Herz als Ort der Seele? Ist die ihm bei einer Operation am Herzen schon begegnet? Professor Butter lacht, »Nein, zumindest nicht greifbar«. Und er schiebt gleich die Erklärung nach: »Ich bin interventioneller Kardiologe«. Christian Butter operiert nicht am offenen Herzen, sondern minimalinvasiv – mit Hilfe der Kathetertechnik. Das Herzzentrum Brandenburg, an dem er als Chefarzt die Kardiologische Abteilung leitet, ist bekannt für seine eindrucksvollen Operationsverfahren. Im Frühjahr 2017 erst gelang dem Herzspezialisten eine Operation, die der Klinik erneut den Superlativ »die Erste« einbrachte. Einem Patienten setzte Butter ein Cardioband ein: Eine Operation, die bislang noch keine andere Fachklinik in Berlin-Brandenburg vorgenommen hatte. Über den Umweg Leistenvene wurde ein Katheter zum Herzen gebracht, zur Vorhofscheidewand, dann in den linken Vorhof. Der Patient, Ende sechzig, litt an einer undichten Mitralklappe. Das Herz ist ein etwa faustdickes Hohlorgan. Die Bezeichnung »Pumpe« passt, denn genauso arbeitet der Muskel. Die Klappen des Herzens funktionieren bei gesunden Menschen wie ein Ventil, nur staute die Mitralklappe des Patienten das Blut in den Lungenkreislauf zurück – mit jedem Herzschlag. Die Folge: Atemnot, zuerst bei körperlicher Anstrengung, später auch im Ruhezustand. Zweieinhalb Stunden dauerte der Eingriff, der im Hybrid-Operationssaal der Bernauer Klinik vorgenommen wurde. Das Cardioband befestigte Butter am Bindegewebe der Mitralklappe, Millimetermaßarbeit. Fünfzehn Schrauben wurden befestigt, verbunden über das Band. Mit Hilfe der Schluckecho- und Röntgenkontrolle fixierte Butter dieses Cardioband: immer enger wurde es gezogen, schrittweise das Band verkürzt. »Ein wenig spannen, dann warten. Spannen, wieder warten. Und ständig die Spannung kontrollieren.« Bis endlich die Größe des Rings sich den beiden auseinandergewichenen Mitralsegeln angenähert hatte – in dieser Position schließlich verplombte Professor Butter das Band. Der Patient erholte sich schnell vom Eingriff – auch das ist ein Vorteil dieser Technik. Vor allem ältere Patienten mit eingeschränkter Herzfunktion profitieren von der katheterbasierten Operationsmethode.

Erfahrung zählt

Der Patient am Herzzentrum Brandenburg, der als Erster auf diese schonende Weise operiert wurde, musste sich nach einigen Monaten nochmals einem Kathetereingriff über die Leiste unterziehen. Ein anderes Problem an der Mitralklappe hatten die Herzspezialisten entdeckt. Oder wie Butter es formuliert: »demaskiert«. Dieses Mal fand das MitraClip-Verfahren Anwendung: Das vordere und hintere Mitralsegel wurden mit einer Klammer zusammengeheftet. »Vor etwa zehn Jahren haben wir mit der MitraClip-Behandlung begonnen – auch da waren wir in Berlin-Brandenburg die Ersten.« Die große Erfahrung, die Christian Butter und Kollegen auf dem Gebiet der Kathetertechnik sammeln konnten, war für ihn eine wichtige Voraussetzung für die erste Implantation des Cardiobands im März. »Auch das Wissen darüber sicherte den Erfolg unserer ersten OP.«

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Prof. Dr. med. Christian Butter
Chefarzt Kardiologie

Kontakt

Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg
Ladeburger Straße 17, 16321 Bernau b. Berlin
Tel. (03338) 694-0
bernau@immanuel.de
www.bernau.immanuel.de

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