Ein alles umhüllender Mantel

Ort der Geborgenheit: Ev. Kliniken Luise­Henrietten­Stift Lehnin
Ort der Geborgenheit: Ev. Kliniken Luise­Henrietten­Stift Lehnin

Sie zählt zu den Spitzenstücken der Skulpturensammlung im Berliner Bode Museum: die Schutzmantelmadonna aus Ravensburg, ein Meisterwerk der Spätgotik. Für Helmut Reichardt bedeutet die Statue noch mehr: Die Schutzmantelmadonna steht sinnbildlich für die Aufgabe der Palliativmedizin.

Palliativ kommt aus dem Lateinischen, von »Pallium« – der alles umhüllende Mantel. »Ich habe das Bild, dass dieser Schutzmantel aus verschiedenen Schichten besteht, aus mehreren Mänteln.« Reichardt, der Palliativmediziner, zählt sie auf: der Schutzmantel für das körperliche Befinden, dann der für die seelischemotionale Seite und der Mantel für die, die einem nahestehen. Und schließlich der Schutzmantel, der Geborgenheit bieten soll. Zwar sei die Palliativmedizin als eigenständige Fachrichtung noch nicht so alt, »aber gute Mediziner haben schon immer auch palliativ umsorgt.«

Leiden lindern

Seit vier Jahren leitet Helmut Reichardt die Palliativstation der Klinik in Kloster Lehnin. Die Patienten, die er behandelt, sind alle schwerstkrank – ihr Leiden zu lindern, darin sieht Reichardt die Aufgabe seines Stationsteams. »Viele Patienten sind verschreckt und unsicher, wenn sie zu uns kommen.« Palliativstation, für so viele ist sie immer noch die Endhaltestelle auf ihrem Lebensweg. Falsch, meint Reichardt, »wir sind nicht die Sterbestation!«. Lebensqualität zurückgeben, trotz der Gewissheit, der Patient ist unheilbar krank. Dafür stehen im Lehniner Krankenhaus neben dem multiprofessionellen Team alle Möglichkeiten einer modernen medizinischpflegerischen Behandlung zur Verfügung. Auch darum arbeitet die Klinik mit Spezialisten aus anderen Einrichtungen zusammen, wie den Tumorzentren.


Zeit nehmen, zuhören, erfahren und begreifen

Aber das ist nur eine Aufgabe des »Schutzmantels Palliativmedizin«. »Wir müssen Jeden, der zu uns kommt, so annehmen, wie er ist«, erklärt Helmut Reichhardt. Er meint damit die Biografie des Patienten zu akzeptieren, dessen Leben mit seinen vielen Geschichten und Besonderheiten. »Die Patientin im Zimmer 3 ist nicht das metastasierende Pankreaskarzinom: Es ist die Frau, die als Mädchen im April 1945 ihre Familie verloren hat, deren furchtbare Erinnerungen jetzt wiederkehren.« Diese Frau gibt es nur ein Mal, mit ihrem tiefen seelischen Schmerz. Zeit nehmen, zuhören, erfahren und begreifen, was den Patienten belastet. Genau das ist wichtig – wie auch bei den anderen vierzehn Patienten auf der Palliativstation. Die Zeit, die allen bleibt, sie sei zu kostbar. »Die Uhr tickt«, aber dieses Ticken soll auch an das erinnern, was wirklich zählt.

KONTAKT

Ev. Kliniken Luise-Henrietten-Stift Lehnin
Klosterkirchplatz 8a , 14797 Kloster Lehnin
Tel. (03382) 768-0
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www.diakonissenhaus.de

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